Am heutigen Tag führt das „Freie Netz Borna/Geithain“ erneut eine Kundgebung durch, um ihr antidemokratisches und völkisches Gedankengut der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Das „Freie Netz Borna/Geithain“ ist verantwortlich für eine Vielzahl von Propaganda- und Gewaltdelikten in und um Geithain. Mitglieder des „Freien Netzes“ griffen mehrfach nicht-rechte Jugendliche an. So wurde im Sommer 2010 ein damals 15-jähriger Jugendlicher durch den Neonazi Albert R. so schwer verletzt, dass er mehrere Tage in Lebensgefahr schwebte und heute eine Metallplatte im Schädel tragen muss. Nur einen Tag nach seiner Verurteilung im April 2011 griff Albert R. mit den beiden Geithainer Neonazis Andy K. und Rico G. vor einer Pizzeria vier Personen, welche nicht in ihr Weltbild passten, an und verletzten diese teilweise schwer. Albert R. wurde für beide Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt, wovon er jetzt noch dreieinhalb Jahre abzusitzen hat. Das „Freie Netz Borna/Geithain“ existiert aber dennoch weiter. Nach einer Razzia bei den drei Tätern veranstaltete das „Freie Netz“ eine Solidaritätskundgebung “gegen staatliche Kriminalisierung und Repression“. Auf dieser Kundgebung wurde ebenfalls die Wiedereröffnung des geschlossenen Jugendclubs in Syhra gefordert. Anmelder dieser und zahlreicher weiterer Kundgebungen, wie u.a. dem neonazistischen „Tag der Identität“, ist Manuel Tripp.
Tripp sitzt für die NPD im Geithainer Stadtrat und studiert an der Universität Leipzig Jura. Er verfügt über gute Kontakte zu gewaltbereiten Neonazis und ist einer der wichtigsten regionalen Neonazikader. Auf Nachfrage zu den Vorfällen im Sommer 2010 distanzierte sich Tripp ausdrücklich von Gewalt. Gleichzeitig verharmloste er nach der ersten Verurteilung Reimanns dessen Tat. Weiterhin erfreute er sich über die Zerstörung des Autos der Bürger_innenmeisterin Romy Bauer (CDU). Diese schloss Ende letzten Jahres den Jugendclub in Syhra, welcher hauptsächlich von Neonazis genutzt wurde.
Frau Bauer besitzt zwar scheinbar ein Problembewusstsein, indem sie erkennt, dass Geithain ein Problem mit Neonazis hat, aber dann hört ihr Denken auch schon auf. So sprach sie sich bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung im Mai 2011 gegen „jede Art von Extremismus“ aus. Ein Denken und Reden von der „guten Mitte der Gesellschaft“ und den „bösen Rändern“ – also den „Extremist_innen“ – geht an jeglicher Realität vorbei und kann nicht dazu beitragen, die komplexen Ursachen für menschenverachtende Einstellungen zu erkennen und zu bekämpfen. Solche Äußerungen verharmlosen das Vorhandensein von neonazistischem Gedankengut und rechter Gewalt. Ein solches Denken führte sogar soweit, dass die „Heimattreue Jugend Geithains“, hinter der das „Freien Netz“ steht, auf dem 825-jährigen Stadtfest in Geithain die Möglichkeit geboten wurde, ihr menschenverachtendes Weltbild zu verbreiten. Auf Kritik reagierten weder die Bürger_innenmeisterin noch andere Stadträt_innen öffentlich.
Kurze Zeit später kam es zur Ankündigung des „Tags der Identität“, angemeldet durch Manuel Tripp und veranstaltet durch den NPD Kreisverband Leipziger Land in Zusammenarbeit mit dem „Freien Netz Borna/Geithain“. Die Bürger_innenmeisterin untersagte die Veranstaltung mit Verweis auf die Nutzungsordnung des Bürgerhauses. Inhaltlich setzte sie sich aber mit der Veranstaltung, welche dann im Henning-Frenzel-Stadion stattfand, nicht auseinander. Im Vorfeld distanzierte sie sich von einer stattfindenden antifaschistischen Demonstration mit kulturellem Abschlussprogramm. Ebenfalls veröffentlichte sie mit ihrem Parteikollegen von Breitenbruch eine Pressemitteilung, in welcher sie Gewalt von „Linksextremisten“ heraufbeschwor. Das am Ende der Veranstaltung sieben Neonazis zwei Antifaschist_innen angriffen, schien sie wenig zu interessieren.
Wir fordern deshalb alle Menschen auf, die Zusammenarbeit mit der Bürger_innenmeisterin einzustellen, bis sie sich von ihren Äußerungen hinsichtlich der Kriminalisierung antifaschistischen Engagements distanziert. Weiterhin fordern wir Frau Bauer auf, klar Stellung gegen menschenverachtendes Gedankengut und neonazistische Aktivitäten zu beziehen.
Es ist notwendig antifaschistische Initiativen und Gruppen vor Ort und aus der Umgebung zu unterstützen. Helft den Betroffenen Rechts-motivierter Gewalt!
Nazistrukturen zerschlagen!
Freies Netz abschalten!
www.netzwerk-naunhof.org